Rossini-Feuerwerk garniert mit Strauss-Polka

Konzertsaal Stimmiges Neujahrskonzert des Stadtorchesters Solothurn mit Violetta Radomirska

Silvia Rietz

Allj�hrlich bittet George Vlaiculescu mit dem Solothurner Stadtorchester zur Neujahrsparty. F�r den traditionellen Begr�ssungstrunk im Konzertsaal muss nicht immer die Hausmarke Strauss gereicht werden. Diesmal hat sich der Dirigent die Champagner-Politur und das rauschhafte Brio f�r den zweiten Konzertteil vorbehalten und zum Auftakt sch�umende Rossini-Koloraturen und Triller serviert. Detailgenau und rhythmisch federnd erklangen die Ouvert�ren des Maestros aus Pesaro: �Il barbiere di Siviglia� und �La Cenerentola�. Mit Violetta Radomirska stellte sich wie im Barbiere-Libretto beschrieben, eine entz�ckend junge �Rosina� vor. Die Operns�ngerin garnierte ihre fabelhaften Koloraturk�nste in �Una voce poco fa� mit Esprit, Witz und Belcanto-Schmelz. Mit Anmut und Leichtigkeit interpretierte Violetta Radomirska auch Aschenbr�dels Arie �Non pi� mesta�. Neben der in einem Konzert nur schwer einzufangenden Situationskomik machen vor allem Rossinis Spritzigkeit und raffinierte Melodien den unnachahmlichen Zauber dieser Arien aus. Rossinis halsbrecherische Koloraturen und Tongirlanden liegen der in Bulgarien geborenen S�ngerin wunderbar. Da ist die S�ngerin, die im Theater Biel Solothurn erfolgreich als �Romeo� und �Cherubino� auftrat, in ihrem Element.

Nach der Pause wechselte Violetta Radomirska das Repertoire und ihre Konzertrobe. In der Abendgarderobe des Prinzen Orlofsky aus Johann Strauss' �Fledermaus� torkelte sie gemeinsam mit George Vlaiculescu auf die B�hne, best�tigte bei einem Schl�ckchen �Wodka�: �Ich lade gern mir G�ste ein.� Passend dazu folgte der einzige Walzer der Neujahrsmatinee, Carl Michael Zierers �Hereinspaziert�. Mit Schwung, Elan und Spielfreude begr�ssten die Musikerinnen und Musiker des Stadtorchesters das neue Jahr und ihren neuen Konzertmeister Georg Jacobi. Der Violinist ist Mitglied des Berner Symphonieorchesters und des Colla-Parte-Quartetts.

Singender Dirigent

Pr�sentierte sich die S�ngerin in drei verschiedenen Kost�men, stand ihr der Dirigent punkto Verwandlungsk�nste und Umziehtempo in nichts nach. Als feuriger Spanier begleitete er �Carmen� Violetta Radomirska in den Pausenhof der Zigarettenfabrik, wo sie die �Habanera� anstimmte. George Vlaiculescu gab nicht nur seinen Musikerinnen und Musikern die Eins�tze, sondern sang den Chorpart. �Carmen� geh�rt zu den begehrtesten Partien des Mezzofaches und deren Parade-Arie wird immer wieder gerne im Konzertsaal gesungen.

Auch von Violetta Radomirska. Sie besitzt eine fabelhafte Technik und Koloraturniveau, nicht aber das erotische Flair, das Abgr�ndige und D�monische dieser Femme fatale. Zudem gelingt es ihr nicht immer, das tiefe Register bruchlos in die vokale Linie einzubinden. Das Publikum indessen liess sich vom Charme und dem Timbre der S�ngerin bezaubern, und letztlich z�hlt nur dies f�r den Erfolg. Zumal Violetta Radomirska mit Rossinis virtuosen Koloraturgirlanden ihre St�rken souver�n vorf�hrte.

Gute-Laune-Finale

Wer nun glaubte, George Vlaiculescus Gesangseinlagen h�tten sich mit Bizet ersch�pft, t�uschte sich. Im karierten Hemd und mit Bergschuhen an den F�ssen am�sierte der Dirigent die Zuh�rer und widmete sich h�fteschwingend Strauss' �Bauernpolka�. Da stellten auch die Musiker und das Publikum ihr Gesangstalent auf die Probe. Ein Gute-Laune-Finale mit Schmunzeln, Stimmung und begeistertem Applaus. Na dann: Prosit Neujahr!